KÜNSTLERISCH-EXPERIMENTELLES GESTALTEN IM ERGÄNZUNGSSTUDIUM ARCHITEKTUR WS 98/99 PROF. W. SCHOLZ

„Der Weltbaumeister“ - so hatte Bruno Taut sein Architektur-Schauspiel für symphonische Musik genannt, entstand im Jahre 1919, im gleichen Jahr, in dem er die Korrespondenz „Die Gläserne Kette“ anregte. Die frühen zwanziger Jahre, die Zeit frühexpressionistischer Hoffnungen auf politische, kulturelle und künstlerische Erneuerungen, bilden den Hintergrund für die Entstehung des Weltbaumeisters.

Die Entstehung des Architekturschauspiels „Der Weltbaumeister“

02.08.1919: „Heute beschäftigt mich eine neue Idee, die mich fast rauschhaft begeistert. Es ist ein Architektur-Drama, richtiger: Pantomime. Ich möchte Pfitzner gewinnen, die Partitur der Symphonie dazu zu schreiben. Es wird eine ganz herrliche Sache, alles ist mir daran schon klar. Musik und Architektur, beide abstrakt und beide im reinsten Einklang. Ich hoffe - Behne und andere bezeugen es mir, daß die Idee rein zum Ausdruck gekommen ist. Es hat den Titel: „Der Weltbaumeister, Architekturschauspiel für symphonische Musik.“ ( Bruno Taut in einem Brief an Karl Ernst Osthaus)

Bruno Taut brachte in den folgenden Wochen seine Idee in Gestalt von 28 betexteten Bleistiftzeichnungen zu Papier, die Osthaus 1920 in Hagen als ein schmales Bändchen publizierte.

Eine szenische Aufführung kam nie zustande, auch ist schwer vorstellbar, wie die Selbständigkeit architektonischer, landschaftlicher, kosmischer und abstrakter Formen bühnentechnisch zu bewerkstelligen gewesen wäre.

Die Aufgabenstellung

Im Stück überlagern sich drei grundlegende Sequenzen:
- Licht-, Farb- und Textur-Ereignisse
- Geräusch- und Musik-Ereignisse
- Körper- und Raum-Ereignisse
Unter ausschliesslicher Verwendung der Texte (ohne die Bilder) sind in drei Workshops Interpretationen des Stückes erarbeitet worden und dazu Arbeiten mit traditionell handwerklichen Mitteln entstanden, die nun im vierten Workshop mit elektronischen Medien zu einer Aufführung des Schauspiels im Internet verknüpft wurden.

Workshop 1 Licht - Farbe und Textur
Leitung: Joachim Seifert, Maler, Grafiker, Architekt

Workshop 2 Geräusch und Musik
Leitung: Johannes Wallmann, Komponist

Workshop 3 Körper und Raum
Leitung: Norbert Blum, Bildhauer

Workshop 4 Internet-Animation - Synchronisation der Sequenzen
Leitung: Olaf Kriseleit, Architekt